Mehr sozialdemokratische Forderungen wagen

 
Nicht zuletzt das Debakel bei der Europawahl macht deutlich, dass die SPD Glaubwürdigkeit zurückgewinnen muss und Mut zu klaren, sozialdemokratischen Positionen braucht, wie die Arbeitsgemeinschaft der Sozialdemokaten in der SPD sie jetzt auf ihren Regionalkonferenzen verabschiedet hat:

 
1.    Wir wollen einen starken Sozialstaat, der sozialen Zusammenhalt  und die demokratische Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger stärkt statt zu weiterer gesellschaftlicher Spaltung führt. Allen Versuchen, die staatlichen Kosten für die Finanzkrise durch Kürzungen von Sozialleistungen zu kompensieren, werden wir uns strikt widersetzen.
 
2.    Wir treten - nicht nur in der Krise - für einen handlungsfähigen Staat ein, zu dessen Finanzierung die Starken und die Profiteure der neoliberalen Umverteilung von unten nach oben künftig einen stärkeren Beitrag leisten müssen.
 
3.    Das ur-sozialdemokratische Versprechen, jedem eine reale gesellschaftliche Aufstiegschance zu ermöglichen, muss wieder das zentrale Anliegen sozialdemokratischer Politik werden. Dazu gehört zu allererst gebührenfreie Bildung von der Krippe bis zur Hochschule.
 
4.    Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, ebenso Rentnerinnen und Rentner müssen wieder angemessen am wachsenden Wohlstand der gesamten Volkswirtschaft teilhaben. Mit der Entwicklung der vergangenen zwei Jahrzehnte, dass Reiche immer reicher und Arme immer ärmer wurden, muss Schluss sein.
 
5.    Einrichtungen der Öffentlichen Daseinsvorsorge wie der Personennahverkehr, die Deutsche Bahn, Wasser- und Energieversorgung, Gesundheits- und Bildungseinrichtungen dürfen nicht zunehmend privaten Profitinteressen ausgeliefert werden. Wir fordern das Ende der Privatisierung und Deregulierung.
 
6.    Arbeit muss menschenwürdig sein und ein menschenwürdiges Leben ermöglichen. Deshalb wollen wir gesetzliche Mindestlöhne, sowie mehr Mitbestimmung und Flächentarifverträge ohne Ausnahmen, um das Gleichgewicht zwischen Arbeit und Kapital wieder herzustellen.
 
7.    Unsere gesetzliche Rentenversicherung muss wieder ein lebensstandardsicherndes Niveau erreichen statt private Versicherungskonzerne mit Milliarden Subventionen zu füttern. Die Finanzkrise zeigt: Die staatliche Rente ist allemal sicherer als jede private Altersvorsorge.
 
8.    Der unsäglichen Ideologie vom Eigennutz insbesondere der FDP setzen wir die Idee des Gemeinwohls entgegen. Nur der Starke bzw. Reiche kann sich einen schwachen Staat leisten und wohin Egoismus und Gier führen hat das Wirtschaftsdesaster durch das kriminelle Finanzkasino bewiesen.
 
9.    Wir wollen ein demokratisches Wirtschaftssystem, das die Finanzwirtschaft auf ihre marktdienliche Funktion begrenzt, die einseitige Abhängigkeit von der Exportwirtschaft zugunsten von guter Arbeit in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Umwelt und Klimaschutz überwindet, sich jenseits der Wachstumsideologie auf die Herstellung nützlicher, am Gebrauchswert orientierter Produkte, wie regenerative Energien konzentriert..
 
10. Wir wollen den bürgerlichen Freiheits- und Grundrechten wieder Vorrang vor Einschränkungen geben, die Mitbestimmung in allen gesellschaftlichen Bereichen fördern und die Gleichstellung von Männern und Frauen in Wirtschaft und Gesellschaft verwirklichen.
 
11. Für eine funktionierende Demokratie halten wir ein starkes, gebührenfinanziertes und demokratisch kontrolliertes Öffentlich-rechtliches Rundfunk- und Fernsehsystem für unverzichtbar.
 
12. Die SPD muss sich ihres historischen Auftrags als der Friedenspartei wieder bewusst werden statt Interventionseinsätzen der Bundeswehr in aller Welt zuzustimmen. Deutschland wird nicht am Hindukusch verteidigt!

Einspruch.


"8.    Der unsäglichen Ideologie vom Eigennutz insbesondere der FDP setzen wir die Idee des Gemeinwohls entgegen. Nur der Starke bzw. Reiche kann sich einen schwachen Staat leisten und wohin Egoismus und Gier führen hat das Wirtschaftsdesaster durch das kriminelle Finanzkasino bewiesen."
Einverstanden damit, dass nach neoliberaler Ideologie der Eigennutz Triebfeder menschlichen Handelns ist.
(Die Ableugnung der Existenz der humanen Ethik - mein Spezialgebiet, aber damit will ich hier niemanden plagen.)
Es ist aber nicht so, dass nur der Starke bzw. Reiche sich einen schwachen Staat leisten kann, bzw. es ist sehr missverständlich ausgedrückt.
Tatsache ist, dass derjenige, der die humane Ethik zugunsten des biologisch begründeten Rechtes des Stärkeren ableugnet, einen schwachen Staat ausdrücklich will. Denn der Staat als Organisation der Gesellschaft, der ganzen Gesellschaft, muss, denn das ist seine Funktion, den angeblich Stärkeren in seine Schranken weisen, womit er ihm gleichzeitig klar macht, dass er in Wirklichkeit der Stärkere gar nicht ist.
Ein starker demokratischer (das muss dazu gesagt werden) Staat ist immer Instrument einer starken Gesellschaft. Eine starke Gesellschaft aber widerlegt den Glauben des Einzelnen oder einer einzelnen Gruppe, der Stärkere zu sein.
Eigennutz als Triebfeder des menschlichen Handelns läuft zwingend auf das Recht des Stärkeren hinaus.

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