Gott und Teufel
Im November 1920 schreibt Karl Kraus in der von ihm herausgegebenen "Fackel" an eine Innsbrucker Bürgerin, die sich noch immer als Adelige fühlt und ihn in einem Schreiben dafür gerügt hat, dass er in der "Fackel" zuvor einen Brief Rosa Luxemburgs aus dem Dezember 1917 veröffentlicht hatte u.a.:
"Der Kommunismus als Realität ist nur das Widerspiel Ihrer eigenen lebensschänderischen Ideologie, immerhin von Gnaden eines reineren ideellen Ursprungs, ein vertracktes Gegenmittel zum reineren ideellen Zweck - der Teufel hole seine Praxis, aber Gott erhalte ihn uns als konstante Drohung über den Häuptern jener, so da Güter besitzen und alle andern zu deren Bewahrung und mit dem Trost, daß das Leben der Güter höchstes nicht sei, an die Fronten des Hungers und der vaterländischen Ehre treiben möchten. Gott erhalte ihn uns, damit dieses Gesindel, das schon nicht mehr ein und aus weiß vor Frechheit, nicht noch frecher werde..."
Dieses wunderbar aktuelle Zitat findet sich in:
Karl Kraus - Rosa Luxemburg
Büffelhaut und Kreatur
Friedenauer Presse
Berlin 2009 ISBN 978-3-932109-60-7
Ich denke, aktueller kann ein literarisches Zitat, das zugleich auch höchst politisch ist, nicht sein. Ich wünsche mir, dass es möglichst weit verbreitet wird.
Gruß
Uwe Reinhardt
