Treibjagd im Zoo Hannover

.....oder wie ein Medienkonzern es anscheindend darauf anlegt, einen Regionspräsidenten zur Strecke zu bringen
eine Betrachtung von Harry Hunter
 
Noch immer glauben viele Leserinnen und Leser, die Beiträge ihrer Tageszeitungen seien sorgfältig recherchiert und die in ihnen enthaltenen Informationen vollständig und zutreffend. Mit Blick auf das Berufsethos von Journalistinnen und Journalisten betrachten sie ihre Zeitung als wichtige Informationsquelle und unterstellen, dass bei aller persönlichen Sicht der Dinge Objektivität und Fairness ihrem Redakteur die Feder führt. Das derart hehre Ansprüche längst der Vergangenheit angehören, lässt sich in den letzten Tagen wieder einmal am Beispiel der angeblich konservativen Hannoverschen Allgemeinen Zeitung und ihrer Berichterstattung über die Personalie des Zoodirektors Machens verfolgen. Im Stile eines Boulevardblattes wird unter Hintanstellung der Fakten fortgesetzt das Bild eines in seiner Eitelkeit herabgesetzten Regionspräsidenten gezeichnet, dem es einzig aus diesem Grunde darum geht, einen überaus erfolgreichen Zoodirektor abzuservieren. Mittlerweile sind auf diesen Leim nicht nur viele Bürgerinnen und Bürger gekrochen, die mit von der Chefredaktion gern genommenen Leserbriefen ihrem Zorn Luft machen oder flugs ihre Tapeziertische mit Unterschriftenlisten am Kröpcke aufbauen, sondern sogar gestandene Bundesminister plappern munter ohne Kenntnis der wirklichen Sachlage, was der Redakteur gern hören und noch lieber zur Befeuerung der Stimmung gegen den Regionspräsidenten schreiben möchte.

Was ist da eigentlich wirklich passiert?
Da führt der Regionspräsident in seiner Eigenschaft als Aufsichtsratsvorsitzender mit dem Geschäftsführer des Zoos ein vertrauliches Gespräch, in dessen Verlauf dieser den legitimen Wunsch einer Verlängerung seines im November auslaufenden Vertrages um 2 bis 3 Jahre äußert und der Aufsichtsratsvorsitzende daraufhin seinerseits fair und offen seine Überlegungen darlegt. Danach hält dieser für die weitere Zukunft des Zoos die Erarbeitung und Umsetzung eines langfristigen Masterplans für erforderlich, bei dem beides in einer Hand liegen soll. Am Ende steht die Vereinbarung, dies ausführlich in der nächsten Aufsichtsratssitzung zu beraten. Genau das erwartet man vom Aufsichtsratsvorsitzenden eines Unternehmens: Vorschläge an den Aufsichtsrat für die langfristige strategische Planung und Steuerung des Unternehmens, sowie Offenheit und Fairness im Umgang mit den Führungskräften. Und genauso passiert es jede Woche in der Chefetagen deutscher Unternehmen. Vor diesem Hintergrund kann man die harsche Kritik mancher Verbandsvertreter aus der Wirtschaft am Vorgehen des Regionspräsidenten denn auch nur mit Erstaunen zur Kenntnis nehmen.
Wo liegt also das Problem?
Vor allem wohl darin, dass der Zoodirektor sich, aus welchen Gründen auch immer, nicht an die Spielregeln gehalten und das vertrauliche Gespräch öffentlich gemacht hat. Wäre es ihm um die Sache und einen angemessenen Stil im Umgang miteinander gegangen, hätte er - wie vereinbart - die
Erörterung im Aufsichtsrat und deren Ergebnis abgewartet. Von der Führungskraft eines Unternehmens darf man ein solches Verhalten erwarten.
Es war wohl am Ende die verletzte Eitelkeit, die den Zoodirektor getrieben hat, vor einer Beratung im Aufsichtsgremium die Öffentlichkeit zu suchen und dabei den Eindruck zu erwecken, dass man ihn aus Altersgründen loswerden wolle. Die Region Hannover trägt dauerhaft das wirtschaftliche Risiko für das Unternehmen, nicht nur für die nächsten 2 - 3 Jahre. Es ist deshalb richtig, rechtzeitig vor Beendigung der Tätigkeit von Machens langfristige Weichenstellungen für die Zukunft vorzunehmen. Viele Unternehmen sind gerade deshalb nach guten Jahren in Schräglagen geraten, weil derartige Entscheidungen zu spät getroffen wurden. Hier geht es nicht darum, wie Herr Neufert von der HAZ seinen Leserinnen und Lesern weiß machen will, das Machens mit 65 zu alt ist, sondern darum, dass der Zoo Hannover auch nach der Machens-Ära langfristig eine gesicherte Basis hat. Diese Sichtweise muss das Handeln der Region und ihres Präsidenten bestimmen. Um es noch einmal zu sagen: Der Wunsch von Machens, noch zwei oder drei Jahre dranzuhängen ist legitim, ebenso legitim ist aber auch die Entscheidung, ihm mit Blick auf langfristige Planungsprozesse, nicht zu entsprechen. Machens sei gesagt, auch ein kommunales Unternehmen ist kein Wunschkonzert für seine Führungskräfte.
Zum Schluss bleibt die Frage: Warum habe ich das alles eigentlich bis heute in meiner Tageszeitung nicht lesen können?
Vielleicht, weil es gar nicht um die Sache und eine objektive Abwägung der Fakten, sondern vor allem darum geht, einen kantigen Regionspräsidenten zur Strecke zu bringen?
Mit Blick auf manche Berichterstattung in den Medien wird verächtlich von Meinungsmache gesprochen, wenn durch eine unzutreffende, tendenziöse oder durch Weglassen unvollständige Berichterstattung ein bestimmtes Ziel verfolgt werden soll. Die Gesamtbetrachtung der Berichterstattung der letzten Tage wirft zumindest die Frage auf, ob wir es im vorliegenden Fall nicht vielleicht damit zu tun haben könnten.
Soll hier vielleicht zum Halali geblasen werden?
Dieser Beitrag erreichte uns unter Pseudonym zum derzeit in Hannover tobenden Kampf um die Yukon Bay...Ein Paradebeispiel dafür, wie Journalisten sich mehr und mehr in Politik einmischen und wie Kampagnen entstehen. Für Nicht- Niedersachsen: Im September ist Kommunalwahl. Und da geht es auch um die von der schwarz-gelben Landesregierung ungeliebte Regionsversammlung, deren rot-grüne Mehrheit für sie ein Dauerärgernis ist.

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Michael Buckup
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