Münte: Alles im Griff auf dem sinkenden Schiff?
Nie wäre es mir selbst in den Sinn gekommen, die alte Tante SPD mit einem Ausflugsdampfer zu vergleichen. Erst die mehr als nachvollziehbare Attacke des SPD-Bundestagsabgeordneten Hermann Scheer auf den Bundesfinanzminister ob seiner unsäglichen Aussagen zur „erweiterten Rentenschutzklausel“, der sogenannten Rentengarantie, hat diese Assoziation geweckt.
„Dass dies gerade mal knapp 100 Tage vor der Bundestagswahl geschieht, kann ich mir nur mit dem Spruch erklären 'Die Ratten verlassen das sinkende Schiff, das sie selbst zu einem sinkenden gemacht haben'“
wird Scheer im Stern zitiert.
Da kommen einem Bilder ausgelassen tanzender und feiernder Passagiere an Deck der Titanic in den Sinn, während der Luxusliner mit Volldampf auf einen Eisberg zusteuert und man erinnert sich an das denkwürdige Zitat des Kapitäns: „Gott selbst könnte dieses Schiff nicht versenken!“ Ganze 16 Rettungsboote für mehr als 2.200 Passagiere und auch die nach Auffassung des Kapitäns noch gänzlich überflüssig.
Unwillkürlich entsteht dabei der Gedanke: Ist es die gleiche Arroganz, mit der die Partei-spitze derzeit die SPD steuert und hat sie für sich und ihre Getreuen die Plätze in den Rettungsbooten längst vergeben und wer darf zusteigen? Andrea Nahles für ihr Stillhalten auf dem Bundes-Parteitag, Sigmar Gabriel als immergrüner Hoffnungsträger, oder haben die Seeheimer unter sich insgeheim längst alle Plätze ausgekungelt?
Nun hat Münte mit seiner Ankündigung, im Herbst wieder für den Parteivorsitz kandidieren zu wollen, schon mal vorsorglich seinen Anspruch auf einen der raren Sitzplätze nach dem Motto, der Kapitän muss auf jeden Fall und zuallererst mit, nachdrücklich angemeldet.
Für ein drohendes Seegerichtsverfahren sind sich Kapitän und Offiziere schon mal einig, dass die alleinige Verantwortung für ein mögliches Desaster bei dem doofen Eisberg zu suchen wäre, der ja nicht begriffen hat, dass der Dampfer doch unsinkbar ist. Deshalb wird auch ums Verrecken nicht umgesteuert. Wenn schief geht, kann man sich – wo auch immer – ja ein neues Kommando zu suchen.
Nein, der Vergleich der SPD mit der Titanic ist bei genauerer Betrachtung des Zitats von Hermann Scheer nicht zulässig, denn die Besatzung der Titanic hat das Schiff ja schließlich nicht selbst versenkt. Außerdem liefert die SPD derzeit eher das Bild der African Queen aus dem gleichnamigen Film mit Humphrey Bogart ab.
Folgt man Scheer, dann hat in unserem Fall ein Offizier dem eigenen Schiff einen Torpedo unter die Wasserlinie gesetzt und anschließend zur Sicherheit auch noch sämtliche Schotten geöffnet. Sozusagen das Clement-Modell einer tatkräftigen Unterstützung des Gegners.
Und was macht der Kapitän? Von Münte auf dem Schlachtfeld nichts zu hören und zu sehen! Stattdessen empfiehlt Niedersachsens SPD-Landeschef Duin gestern, „Steinbrück sollte dringend in Urlaub fahren“. Richtig so! Denn für die nächsten Sabotageakte muss der Akku erst mal wieder richtig aufgeladen werden und dafür braucht der Peer jetzt dringend seine Erholung.











