Volkspartei... sind Volksparteien im eigentlichen Sinne überhaupt noch nötig, bzw. zeitgemäß?
Seit einiger Zeit mache ich mir Gedanken über den, mittlerweile viel zu oft verwendeten Begriff der Volkspartei SPD.
Sicher gab es lange Zeit neben den zwei großen Parteien SPD und Union nur noch kleine Parteien, die lange Zeit keine große Rolle gespielt haben, so dass sich SPD und Union vielleicht zu Recht Volkspartei nennen durften. Zumal ihre Mitgliederzahlen ja noch diesen Anspruch bestätigten.
Ich bin aber der Meinung, dass spätestens seit den 80ern weder SPD noch Union Volksparteien sind: sie hörten irgendwann auf quasi "dem Volk aufs Maul zu schauen".
Grüne:
Wie sollte man denn sonst die Gründung der Grünen und den großen Zulauf der Grünen erklären?
Ein Teil der Bürgerinnen und Bürger fühlten doch anscheinend, dass sie weder in der SPD noch in der Union mit ihren Idealen, Zielen, etc. aufgehoben waren, so dass sie anscheinend keine andere Möglichkeit sahen, als eine neue Partei ins Leben zu rufen. Wie wir wissen, sogar sehr erfolgreich.
Linke:
Ähnliches wiederholte sich doch in 1990ern mit der Gründung der WASG, die, wie wir wissen mit der PDS zu Linken fusionierte, und mittlerweile immer erfolgreicher wird.
Bisher waren die neuen Parteien, die interessanterweise immer als Abspaltungen der SPD betrachtet werden (also scheint die SPD ja für viele noch immer als die Partei schlecht hin zu gelten) aus Wünschen nach Veränderungen im sozialen, ökologischen, etc. Bereichen der Politik heraus entstanden.
Also eigentlich "alte" Wünsche einer "alten" Zeit, oder?
Zeitenwechsel?:
Spätestens aber seit Mitte der 1990er trat ein unaufhaltsamer Wandel in der Gesellschaft ein, der vorallem durch den Einzug des PCs in alle Bereiche des öffentlichen und vorallem privaten Leben verursacht wurde. Zur endgültigen Veränderungen der Gesellschaft trug vorallem das Internet, wie wir es heute kennen bei.
Kein Medium der letzten hundert Jahre hat unsere Gesellschaft so sehr verändert wie das Internet: natürlich wurden die Älteren weniger stark von diesem Wandel mitgerissen, als die Jüngeren. Das liegt meines Erachtens u.a.
auch daran, dass sich die Älteren Angst durch die Werbung machen lassen.
Die vielen Möglichkeiten die uns das Internet bietet werden von einigen nicht erkannt, bzw. sie wollen gar nicht, dass es diese Möglichkeiten gibt:
anders kann ich mir das Verhalten ins Bezug auf Patente, etc. gar nicht erklären.
Mit dem Internet scheint es zum ersten Mal überhaupt in der Menschheitsgeschichte ein wirklich demokratisches Medium zu geben, oder eines, dass sehr nah an wirklicher Demokratie ist. Wie gesagt, es scheint so, denn anscheinend kann jeder, wenn er kann, schreiben was er will, lesen was er will, etc.
Seit Anfang diesen Jahrtausends zeigt es sich mehr und mehr, dass Politiker, "alles tun um der Wirtschaft zu gefallen" und dafür mehr und mehr Freiheiten im Internet aufgeben.
Es werden veraltete Modelle, wie Patente etc. hervorgekramt um ein im Grunde
völlig neues Medium zu kontrollieren, so weit das überhaupt möglich ist,
um das zu verhindern, was nicht mehr verhinderbar ist: die Vervielfältigung von kostenlosen Wissen lässt sich nicht mehr aufhalten!
Bis zum Zeitalter des Internets war ein so invensiver weltweiter, ja demokratischer, Wissens- und Gedankenaustausch ins so kurzer Zeit überhaupt nicht möglich.
Das Internet führte im Endeffekt zum Enstehen und der Verbreitung von LINUX, also von Open Source.
Gerade der Open Source- Gedanke führte bei mir und anderen Internetjüngern zum vollkommen Umdenken!
Idealerweise ist das Internet ist für mich eine riesige Bibliothek an der ständig weitergebastelt wird. Eine Teil dazu trägt ja wikipedia bei.
Wir leben also nun schon seit ca. 15 Jahren im Internetzeitalter. ABER in der SPD gibt es nur alte Antworten auf völlig neue Fragen!
Sicher gelten unsere alten Wertevorstellungen von sozialer Gerechtigkeit und Freiheit nach wie vor!
ABER warum wenden wir als SPD dann im Bezug auf das Internet genau das Gegenteil von dem ein, was wir sonst fordern?
Warum haben wir die Vorratsdatenspeicherung eingeführt, die Alle erst einmal unter Generalverdacht stellt?
Ich könnte hier jetzt endlos weiter machen!
Um zurück zum Thema des Beitrags zu kommen: weder SPD noch Union haben die gesellschaftlichen Veränderungen, die das Internetzeitalter gebracht hat, wirklich verstanden.
Piratenpartei:
Wir, die uns kinderleicht im Internet bewegen, müssen diejenigen in der SPD aufklären, die die Gesetze verzapfen, was eine veredammt aufwändig Arbeit sein dürfte.
Es gibt zum Glück mittlerweile eine große Gruppe von Kämpfern für Open Source, von denen eine Großteil GNU/Linux verwendet.
Mittlerweile gibt es eine Open Access Bewegung, die den Open Source Gedanken quasi adaptiert hat.
Viele Internetnutzer waren anscheinend bisher ziemlich unpolitisch.
Die Eingriffe aber, die in den letzten Jahren zu mehr und mehr Einschränkungen in den Freiheitsrechten von uns Internetnutzern geführt haben, haben zu einer Moblisierung und im Endeffekt zu einer Politisierung der Internetnutzer geführt.
Das war im Grunde die Geburtsstunde der Piratenpartei.
Die Forderungen der Piratenpartei kann ich als Kämpfer für Open Source und Open Access nur aus ganzem Herzen unterstützen.
Auch wenn ich es Schade finde, dass die SPD bisher kein Bewusstsein für die Belange des Internetzeitalters entwickelt hat, so habe ich nix dagegen, dass es jetzt eine erstarkende neue Partei gibt, die sich genau dieser Belange annimmt.
Vielfalt belebt:
Gerade im Open Source - Bereich ist es die Vielfalt, die die Entwicklung unglaublich vorantreibt.
Dasselbe gilt auch für viele andere Bereiche: die Grünen haben auch dazu geführt, dass wir uns in der SPD öffentlicht für die Umwelt einsetzen.
Wenn die Piratenpartei weiter erfolgreich diejenigen mobilisiert, die bisher nur vorm PC hingen, und im Grunde unpolitisch waren und jetzt endlich aufgewacht sind, finde ich das toll: denn eine Politisierung der Gesellschaft ist dringend notwendig!
Ein Großteil der Internetnutzer sind nämlich um die 20 die anscheinend nun doch zum Großteil begriffen haben, dass sie Teil einer Gesellschaft sind, an denen sie auch aktiv Anteil haben können, wenn sie sich entsprechend engagieren.
Fazit:
Volksparteien, wie sie es noch vor ca. 50 Jahren gegeben hat, wird es hier in Deutschland nicht mehr geben.
Zum Glück.
Denn ich sehe die beginnende Vielfalt im politischen Spektrum Deutschlands als große Chance für unser Land zukunftsfähig zu werden! Zukunftsfähig in einer Zeit, in der es den klassischen Familienverbund nicht mehr gibt, sondern in dem es im Grunde, wenn überhaupt nur einen Interessensverbund gibt, dem man, je nach Bedarf, bzw. Belieben, beitreten oder ihn wieder verlassen kann.
D.h. nicht, dass wir als SPD aufhören sollen, weiterhin möglichst breite Schichten der Bevölkerung erreichen zu wollen. NEIN! ABER wir sollten endlich über die neue veränderte Gesellschaft nachdenken in der wir leben und unseren neuen Erkenntnisse auch wirklich verinnerlichen, denn sonst machen das wieder andere Parteien und am Ende ist die SPD nur noch eine winzige bedeutungslose Partei!
Mein Herz schlägt links!










