Schmierenkomödie Schleswig-Holstein: Wer führt da eigentlich Regie?
Wer bisher noch der Überzeugung war, dass Verfassungen, demokratische Spielregeln und ethische Grundregeln in unserem politischen Alltag noch eine gewisse Bedeutung haben, der sollte sofort auf Zeitung und Fernsehen verzichten. Nicht nur, weil die systematische Verblödung durch Privatsender jetzt auch von den öffentlich rechtlichen immer intensiver fortgesetzt wird, sondern auch, weil bis auf letzte Versprengte die versammelten Medien sich als Propagandisten und Wegbereiter einer flächendeckenden neoliberal-konservativen Regierungsmehrheit in Bund und Ländern verdingen. >> Weiterlesen
Reform der Demokratie in der EU dringemd notwendig
Auch nach der anstehenden Volksabstimmung und eventuellen Ratifizierung des Lissabon-Vertrags ist eine Reform der Strukturen überfällig.
Finanzdebakel EU
Über 50 Millionen Euro jährlich gehen aus dem EU-Haushalt an etablierte europäische Parteiorganisationen für ihre Stiftungen und Dachorganisationen, es sollen 100 Millionen werden.
Das sind Finanzspritzen für eine eher zweifelhafte Demokratiekultur, denn europäische Abgeordnete der Parteien haben meist ein Janusgesicht: im Wahlkreis äußern sie Bürgernähe, doch in Brüssel verkommt ihre Arbeit oft zur Moderation der Gesetzesvorlagen, die durch die Lobby der Interessen aus der Wirtschaft vorformuliert wurden.
Die meisten hatten vielleicht zu Beginn ihrer Europaaktivitäten noch Vorstellungen von einem Europa für seine Wähler, aber das geht meist verloren nach kurzer Zeit und so erliegen die Ambitionen den Verlockungen für Geschenke und Einladungen zu Gourmetessen durch die ökonomischen Giganten. Man findet sich damit ab, ordentlich abkassieren zu können, per Spesen, per Rentenansprüche, per Geschenkeinnahmen, Einladungen zu teuren Essen, Urlauben, Segelausflügen.
Den Jahresumsatz mit dem Lobby-Geschäft schätzen Insider auf jährlich 750 bis einer Milliarde Euro.
Bei der Verordnung zum Ausstoß von F-Gasen stimmte das EU-Parlament 2006 einer Regelung zu, mit der die Großindustrie der Chemie zufrieden sein konnte: kein EUweites Verbot, dafür das Verbot, dass Mitgliedsstaaten strengere Kriterien anlegen können als die EU-Regelung. Bei den Änderungsanträgen der Sozialdemokraten ließen sich 96 Prozent der Anderungsanträge nach einer detaillierten Untersuchung auf schriftliche Empfehlungen der Chemieindustrie zurückführen.
Bei der REACH Verordnung, die seit Dezember 2006 die Verwendung zahlreicher Chemikalien regelt, stmmten 861 von 1413 überprüften parlamentarischen Änderungsanträgen aus schriftlichen Lobbyquellen.
Die Volksvertreter als TV-Nachrichtensprecher, die fremde Texte vom Rollbild eines Teleprompters in die Kameralinse sprechen. Wo ist das politische Profil der Abgeordneten der SPD?
Die Sozialdemokraten bezogen ihren Input nur zu 14% von den Gewerkschaften, zu 64% hingegen von der chemischen Industrie und zu 10% von klein- und mittelständischen Unternehmen.
Abgeordnete der konservativen Fraktion machten sich zu 79% die Wünsche der Chemieindustrie zu eigen, zu 11% die der Papierhersteller und nur zu 10% die der klein- und mittelständischen Unternehmen.
Die Liberalen hielten sich zu 98% an die Industrie. Grüne übernahmen zu 91% die schriftlichen Positionen der Umweltorganisationen.
Die Lobbyisten der Industrie lassen sich neuerdings ihre Ausgaben auch gern durch das EU-Budget bezahlen.
Sekretariat und Koordination der Aktivitäten der Abgeordneten wird in der "Intergruppe" interessierter Parlamentarier "Sky and Space" unter der Schirmherrschaft der beiden großen Fraktionen wird durch die "Aerospace and Defense Industries Association of Europe" finanziert, die Nutzung der Sitzungssäle im Parlament und die Arbeit der Dolmetscher bezahlt die EU.
Das EBPS ("European Business and Parliament Scheme") definiert sich als Organisation, "um das wechselseitige Verständnis zwischen Business und Parlamentariern zu fördern", somit sei man keine Lobbygruppe, seit 2007 bezog die Gruppe Büros direkt im EU Parlamentsgebäude, seitdem kommt der EU-Steuerzahler für die Kosten der Büroräumlichkeiten auf und für die Telefonrechnungen, sowie die Reise- und Hotelkosten der Mitarbeiter, die unverdächtige email-Adresse des Parlaments kommt natürlich noch dazu
26 Großunternehmen, darunter Microsoft, RWE, BP, der Energieversorgungskonzern GDF Suez, die Nuklearfirma Areva, der belgische Fraben Multi Solvay. sind mit einem jählichen Mitgliedsbeitrag von 15000 Euro Mitglied.
Im April 2008 beschlossen die Fraktionsvorsitzenden nach einigen Beschwerden, der EBPS die Tür zu weisen, diese blieb, es wurden "Kompromisse" gefunden.
Es gibt zahllose andere Beispiele, Kauppi für die Finanzdienstleister, z.B. Was in den USA nicht möglich wäre, in der EU gehts: sie war gleichzeitig Mitglied im parlamentarischen Wirtschaftsausschuss und hoch bezahlte Direktorin im Verband der finnischen Finanzdienstleister. In den USA wird Parlamentariern eine längere Pause, ein "Cooling off" nach der Mitgliedschaft im Parlament verordnet, bevor sie in der Wirtschaft tätig werden dürfen.
Die EU mag es lieber heiß.
Münte: Alles im Griff auf dem sinkenden Schiff?
Nie wäre es mir selbst in den Sinn gekommen, die alte Tante SPD mit einem Ausflugsdampfer zu vergleichen. Erst die mehr als nachvollziehbare Attacke des SPD-Bundestagsabgeordneten Hermann Scheer auf den Bundesfinanzminister ob seiner unsäglichen Aussagen zur „erweiterten Rentenschutzklausel“, der sogenannten Rentengarantie, hat diese Assoziation geweckt.
„Dass dies gerade mal knapp 100 Tage vor der Bundestagswahl geschieht, kann ich mir nur mit dem Spruch erklären 'Die Ratten verlassen das sinkende Schiff, das sie selbst zu einem sinkenden gemacht haben'“
wird Scheer im Stern zitiert. >> Weiterlesen
Nagelprobe Krümmel – Nagelprobe für das Primat der Politik
Der Dauerstörfall Krümmel sorgt derzeit endlich einmal für Klarheit in der Politik. Er zeigt zum Einen nur allzu deutlich, wo die politischen Parteien stehen. Da sind die Rollen von CDU und Angela Merkel offensichtlich: Erfüllungsgehilfen der Atomwirtschaft und der großen Energiekonzerne, koste es was es wolle. Schließlich ist man ja auf deren Unterstützung ( auch durch Spenden ) und propagandistische Vorbereitung einer schwarz-gelben, strahlenden Zukunft angewiesen. >> Weiterlesen
Ein zeitlos-aktuelles Interview...
Es gibt Texte, die reifen wie Wein und werden immer interessanter. Und dabei ist es immer wieder besonders erhellend, sich mit den Weisheiten unserer Altvorderen zu befassen. In diesem Fall ist es der viel geschätzte und wegen seiner klaren Äußerungen bewunderte und gefürchtete Herbert Wehner. Peter Rath-Sanghkakorn, Koordinator der Landesgruppe NRW hat dieses fiktive Interview in seiner sozialdemokratischen Jugendzeit (Vorsicht 68er!) geführt. Wäre sicher spannend, Herbert Wehners Kommentar zum Zustand der SPD heute zu lesen....(Anhang nur für registrierte Benutzer lesbar)
Was sind für Sozialdemokraten Subventionen?
Man muss ja nur täglich ein paar Zeitungen und Nachrichtensendungen verfolgen – und schon kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus.
Da erklärt doch unser agiler und nassforscher Finanzminister (für alle, die es nicht bemerken: er ist stellvertretender SPD-Vorsitzender), dass er in den nächsten zwei Jahren sowohl Steuersenkungen (geht wohl gegen die CDU/CSU/FDP) als auch Steuererhöhungen (war da nicht was mit Spitzensteuer im eigenen Wahlprogramm?) für schädlich hält, weil die die Einnahmefähigkeit von Bund. Ländern und Kommunen bis zur Handlungsunfähigkeit beschädigen. >> Weiterlesen
NACHRUF AUF DIE SPD (Franz Walter 2008)
Der Beitrag des Göttinger Parteienforschers Franz Walter ist zwar vor einem Jahr bereits geschrieben, aber er hat leider nichts von seiner erschreckenden Aktualität eingebüßt. Im Gegenteil. Die Parteioberen scheinen derzeit dafür zu sorgen, dass die Prognose von damals Realität werden könnte! Und wie die "Neue Mitte" auch zu verstehen ist.... >> Weiterlesen
Überhangmandate: Koalitionstreue bis zur Selbstaufgabe
Mit einem auch an die Medien verteilten Brief an die Vorsitzenden von CDU und CSU hat der SPD-Vorsitzende Müntefering vor weniger als zwei Wochen eine Neuordnung des Wahlrechts noch in dieser Legislaturperiode eingefordert. Betreff seines Schreibens: „Verfassungswidriges Wahlrecht“.
„Es wäre ein schwerer Mangel, auch ein Makel für das Verfassungsverständnis der großen Koalition, wenn wir ungerührt mit diesem verfassungswidrigen Wahlrecht in die Bundestagswahl 2009 gingen. Zumal die Vorteile der möglichen Überhangmandate auf jeden Fall bei den größeren Parteien ankommen“ so Müntefering in seinem Brief an die Koalitionäre. >> Weiterlesen
